Die Initiative „Keine Bildung ohne Medien!“ (KBoM) setzt sich bekanntermaßen dafür ein, dass Medienbildung als Querschnittsaufgabe in allen Bildungsbereichen verankert wird – von der frühkindlichen Bildung, über die Schule und die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit bis hin zur Hochschule und der außerschulischen Erwachsenenbildung. Sie fordert unter anderem: Eine verbindliche Grundbildung Medien in allen pädagogischen Studiengängen, regelmäßige medienpädagogische Elternarbeit, eine angemessene Regelfinanzierung medienpädagogischer Angebote, und die systematische Förderung von Netzwerken und Forschung im Bereich Medienbildung.
Aktuell wird in zahlreichen Ländern – wie auch in den deutschsprachigen Ländern – unterschiedliche Formen von pauschalen Medienverboten diskutiert. Einige Länder haben bereits legislative Fakten geschaffen und Smartphones aus vielen Schulalltagskontexten verbannt und den Zugang zu Social-Media-Plattformen für Kinder und Jugendliche beschränkt. Aus medienpädagogischer Sicht wirft dies zentrale Fragen auf: Wird hier Ablenkung und digitale Überforderung durch Ausschluss gelöst – oder verpasst man damit eine Chance, Medienkompetenz, Reflexion und Teilhabe zu fördern? Hierzu positioniert sich KBoM klar: Bildungsprozesse in einer digital geprägten Gesellschaft benötigen nicht weniger Medien – sondern mehr reflexiven, kritischen und selbstbestimmten Umgang mit Medien! Eine restriktive Verbotspolitik darf dabei nicht als Ersatz für eine familiäre Medienerziehung und schulische Medienbildung verstanden werden. Das gilt insbesondere für Schulen, in denen Jugendliche Medien- und Kommunikationskultur leben und lernen. Vor diesem Hintergrund unterstützt KBoM ausdrücklich die Kampagnenseite der GMK „Regulierung braucht Medienbildung“, die sich gegen pauschale Medienverbote und für eine partizipativ gestaltete Mediennutzungsregelung ausspricht. In einem gemeinsamen offenen Brief appellieren der Bundeselternrat, GMK, D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt und das Deutsche Kinderhilfswerk: „Verbote schaffen keine Medienkompetenz – sie verschieben das Problem ins Private und lassen Eltern und Schüler*innen allein.“ Ein weiterer Beitrag zur Debatte stammt von Prof. Dr. Thomas Knaus, langjähriges Mitglied des Lenkungskreises von KBoM, der für die Kampagnenseite der GMK einen Bericht und eine medienpädagogische Einordnung der zweijährigen Medienverbots-Diskussion in Australien beigesteuert hat. In seinem Bericht aus Down Under kommen Schüler*innen und Lehrer*innen zu Wort. Der Bericht entlarvt überbetonte positive Effekte und zeigt, dass auch nach zwei Jahren Medienverboten in der Praxis die erhofften Ergebnisse keineswegs eindeutig ausfallen und noch viele Fragen bestehen.
Mit Blick auf die deutschsprachige Bildungspolitik fordert KBoM daher: Statt pauschaler Medienverbote sollten Bildungseinrichtungen, wie Schulen, Hochschulen und außerschulische Einrichtungen, Medienbildung konsequent als festen Bestandteil des Bildungsangebotes verankern – nicht nur als optionales Zusatzangebot. Entsprechend ist Medienbildung als Pflichtelement in der pädagogischen Ausbildung vorzusehen. Regelungen zur Nutzung von Smartphones in den Bildungseinrichtungen sowie Social-Media-Bans oder Altersbeschränkungen sollten gemeinsam mit den Beteiligten – den Kindern und Jugendlichen – erarbeitet werden und nicht allein über pauschale Verbote umgesetzt werden. Hilfreich können herfür übergreifende Leitlinien sein, die dann für den jeweiligen Kontext angepasst werden können.