Strategie der KMK zu „Bildung in der digitalen Welt“

Nicht zuletzt die Diskussionen um ‚Fake-News‘ und ihre Auswirkungen auf den US-amerikanischen Wahlkampf haben in den letzten Wochen eindrücklich vor Augen geführt, dass der Prozess der Digitalisierung für unsere Lebenswelt weitaus mehr bedeutet als die Einführung einer neuen Technik. Mit der Globalisierung sozialer Netzwerke, die sich im Besitz weniger transnationaler, kaum zur Transparenz verpflichteter Konzerne befinden, ändert sich der Prozess der politischen Meinungsbildung in kaum zu unterschätzender Weise. Von Algorithmen erzeugte Filterblasen etablieren jenseits der tradierten (Massen-)Medien ganz neue meinungsbildende Resonanzräume, während Hass-Postings Grenzen des Sagbaren verschieben. Darüber hinaus steht die informationelle Selbstbestimmung jedes Menschen in unserer Gesellschaft angesichts von Big Data (Analytics) und (potenzieller) digitaler Überwachung aller Lebensbereiche in Frage.

Diese Prozesse zu verstehen und persönliche Handlungsoptionen zu erkennen, erfordert vielfältige Kompetenzen. Medienbildung stellt damit eine unumgängliche Voraussetzung für die Wahrnehmung staatsbürgerlicher Rechte und den Erhalt der Demokratie dar.

Wenn die KMK jetzt eine ‚Strategie für die Bildung in der digitalen Welt‘ vorstellt, erscheint dies zunächst einmal als ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Digitale Medien und Internet sind im Jahr 2016 längst aber kein ‚Neuland‘ mehr.
Die Initiative KBoM begrüßt daher diese Initiative der KMK ausdrücklich. Denn damit wird unmissverständlich klargestellt, dass sich das deutsche Bildungssystem, in dem die Schulen einen wichtigen, da verpflichtenden Bestandteil der Bildungsbiographie darstellen, den Herausforderungen, die sich im Kontext der Digitalisierung stellen, keinesfalls entziehen darf. Gelingt dies nicht, steht nicht nur die gerne beschworene wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit, sondern letztendlich auch die Idee der Bildung und des demokratiefähigen Bürgers/ Bürgerin in Frage.

Bildung ist heute nicht ohne die Berücksichtigung der medialen und digitalen Dimension unserer Gesellschaft denkbar. Daher muss das Bildungssystem Deutschlands sicherstellen, dass Menschen auch im Hinblick auf die Chancen und Herausforderungen einer von digitalen Medien durchdrungenen Gesellschaft ein selbstbestimmtes Leben führen können. Dies erscheint uns als ein zentraler Moment auch der Demokratieerziehung.

Die nun vorliegende Strategie der KMK zielt mit ihrem breiten Ansatz in die richtige Richtung. So wird die bereits 2012 in der ‚Empfehlung zur Medienbildung in der Schule‘ angelegte Linie, (digitale) Medien sowohl als Gegenstand wie auch als Mittel der Lehre in den Blick zu nehmen, weitergeführt. Technokratische Verkürzungen auf ‚digitale Lernmaschinen‘ wie auch auf die unreflektierte Vermittlung von Fertigkeiten zur Bedienung werden so vermieden. Hier wäre es aus Sicht der Initiative KBoM allerdings wünschenswert gewesen, den Aspekten von ‚Medienbildung‘ (auch in dem vorgelegten Kompetenzmodell) einen größeren Raum einzuräumen.

Es bleibt zu wünschen, dass nun eine rasche und gründliche Umsetzung in den Ländern erfolgt und die notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden, um die dringend notwendige Aus- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften zu gewährleisten, welche die Basis für eine „Bildung der digitalen Welt“ darstellt. Wesentliches Element muss dabei die von der Initiative KBoM seit langem geforderte „Grundbildung Medien für alle pädagogischen Fachkräfte“ sein.

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2017-10-21T15:19:02+00:00