Sachsen

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Statements

Philipp Buchholtz

Medienpädagoge M.A.
Geschäftsführer medienblau

www.medienblau.de


1. Was hat sich Ihrer Einschätzung nach im Bereich der Medienkompetenzförderung in Sachsen bislang bewährt und sollte fortgesetzt werden?

  • Eine Vernetzung durch das Netzwerk Medienpädagogik Sachsen ist im Aufbau und sollte weiter laufen.
  • Sächsische Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK’s) im Bereich außerschulischer Medienkompetenzförderung.
  • Bürgermedien (Hochschulradio/-fernsehen, Freie Radios, Offene Kanäle)
  • Wettbewerbe und Auszeichnungen im Zusammenhang mit Medienkompetenzförderung wie z.B. der Bürgermedienpreis Mitteldeutschland, Visionale etc. erreichen eine gezielte (auch breitenwirksame) Teilnahme von Bürgern, besonders von Heranwachsenden.

2. Was sind aus Ihrer Sicht die vordinglichen Aufgaben und Maßnahmen, um Medienkompetenzförderung in Sachsen breitenwirksam und nachhaltig in allen Bildungsbereichen zu verankern?

  • Eine Synergie von Breitenwirksamkeit und Nachhaltigkeit im praktisch-produktiven Umgang mit Medien muss oberstes Ziel sein:

Durch:

  • Nachhaltige Lehrerfortbildungen/Multiplikatorenschulungen in allen Regionen: in Verbindung mit aktiver Medienarbeit, sowohl im Unterricht als auch in schulischen und außerschulischen praxisorientierten Projekten.
  • Förderung von Modellprojekten mit Schulklassen bzw. von mit Lehrerfortbildungen gekoppelten Unterrichtsprojekten, um direkt in der Schule agieren zu können (es sollen möglichst viele Schüler erreicht werden): ähnlich der Kita-Konzeption von BIBER von Schulen ans Netz e.V. und Internet-ABC e.V., um flächendeckend kostenfreie Fortbildungen anzubieten.
  • Spezielle Schulung und Ausbildung – in Verbindung mit einem entsprechenden Stundendeputat – für Medien- und IT-Beauftragte an den Schulen: Spezialisten an der Schule müssen nachhaltig ausgebildet werden und mehr Zeit zur Verfügung bekommen, um ihrerseits als Multiplikatoren an ihren Schulen zu agieren. (Damit einher geht eine Verankerung von Medienkompetenzförderung in den Lehrplänen des Landes.)
  • Lehrerfortbildungen im Bereich Medienkompetenzförderung müssen bereits bei Lehramtsstudierenden ansetzen, zum einen durch eine Verankerung in deren Ausbildungskonzept, zum anderen durch einen Austausch in der Praxis mit außeruniversitären bzw. außerschulischen Partnern.
  • Innovative Peer-Teaching Projekte: gezielte Ausbildung von Schüler- /Jugendmultiplikatoren.

3. Was sind Ihrer Einschätzung nach die hauptsächlichen Faktoren, die bislang einer breitenwirksamen und nachhaltigen Medienkompetenzförderung entgegenstehen?

  • Allgemein geringe finanzielle Mittel für den Bereich der Medienpädagogik, vor dem Hintergrund, dass ein Diskurs zwischen Medienpädagogen und Entscheidungsträgern nur unzureichend stattfindet.
  • Projektförderungen beinhalten für freie Träger einen hohen bürokratischen Aufwand – vor allem im Antragsverfahren und der Abrechnung.
  • Projekte in Schulen und Lehrerfortbildungen der freien Träger finden nur punktuell und zudem einmalig statt. Eine Nachhaltigkeit kann nur gegeben sein, wenn geförderte Projekte kontinuierlich, das heißt, über mehrere Jahre hinweg laufen. Bestehende aktive Medienprojekte können somit, je öfter sie in der Praxis erprobt werden, perfektioniert werden.
  • Finanzielle Förderung ist eine Basis dafür, dass die Relevanz von Medienkompetenzförderung in den Köpfen von Lehrern bzw. der Schulleitung ankommt und somit auch bei ihren Schülern

Annika Buchholtz, Kultur- und Medienpädagogin Leipzig
Carolin Kraft, Chemnitzer Filmwerkstatt e. V.
Cathleen Toni, Studentin Medienpädagogik Leipzig
Heiko Loth, Radio T Chemnitz
Herbert Grunau, GMK-Landesgruppe Sachsen
Patrick Weißig, Hillersche Villa e. V. Zittau
Philipp Buchholtz, Geschäftsführer medienblau gGmbH
Sven Buschmann, Chemnitz
Thomas Feig, Alte Brauerei e. V. Annaberg Buchholz
Uwe Philipp, Medientraktor Dresden
Winfried Rühle, Medienwerkstatt Dresden e. V./ Medienmobil
Andrea Gaede, Landesverband Soziokultur Sachsen e. V.

Offenes Netzwerk für Medienpädagogik in Sachsen

www.medienpädagogik-sachsen.de


1. Was hat sich Ihrer Einschätzung nach im Bereich der Medienkompetenzförderung in Sachsen bislang bewährt und sollte fortgesetzt werden?

Vereine und Initiativen: Bewährt und etabliert haben sich in erster Linie die vielfältigen Medienangebote und innovativen Projekte bei Trägern der Medienarbeit, der Jugendkulturarbeit und der offenen Jugendarbeit auf kommunaler Ebene. Die Entstehung und Ausweitung der Angebote, die eine breite Betätigung in unterschiedlichen Medien ermöglichen, wurde vor allem vorangebracht von einem hohen Engagement der Akteurinnen und Akteure vor Ort und in den Vereinen. Viele der Vereine und Initiativen gehen zudem in Schulen, Kita’s, Horte etc. und leisten dort einen beträchtlichen Beitrag zur Medienkompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Eltern und MultiplikatorInnen. Unbedingt zu erwähnen ist an dieser Stelle zudem die, schon seit Jahren bestehende, Mobile Medienarbeit engagierter Vereine und Initiativen. Hier zu zählen z. B. das Medienmobil Dresden, welches den ländlichen Raum versorgt oder das Medienmobil Leipzig.
Einen wichtigen Beitrag zur Medienkompetenz leisten die drei freien Radios in Sachsen (colorRadio Dresden, Radio blau Leipzig, Radio T Chemnitz), die von gemeinnützigen Vereinen betrieben werden. Hier anfügen lassen sich die Schülerradios.

Bewährt haben sich zudem: der KiTa-Bildungsserver, Wettbewerbe und Auszeichnungen für Medienkompetenzprojekte, Medienpädagogische Zentren (MPZ) mit ihrem breiten Angebot in der Lehrerfortbildung und der Unterstützung für Schulprojekte, die praktische Netzwerkarbeit unter den Vereinen (z. B. in Projekten), das Netzwerk Medienpädagogik Sachsen sowie lokale Netzwerke wie z. B. der Arbeitskreis Medienpädagogik in Leipzig.

Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM)
Die SLM finanziert die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle, kurz SAEK’s, dessen Ziel es ist, Wissen zu Fernseh- Rundfunk- und Multimediaproduktion zu vermitteln. Derzeit gibt es zehn Standorte in Sachsen. Zudem lobt die SLM gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus und Sport jährlich den Medienpädagogischen Preis aus sowie sie innovative medienpädagogische Projekte fördert. Seit einem Jahr betreibt die SLM auch ein eigenes Medienmobil zur Versorgung des ländlichen Raums.

2. Was sind aus Ihrer Sicht die vordinglichen Aufgaben und Maßnahmen, um Medienkompetenzförderung in Sachsen breitenwirksam und nachhaltig in allen Bildungsbereichen zu verankern?

Förderung der Medienkompetenz in Schulen
Die Medienkompetenzförderung in Schulen muss ausgebaut werden. Diese muss nachhaltig, kontinuierlich und zeitgemäß betrieben werden. Es wäre zu empfehlen, Medienkompetenzförderung spätestens ab der 5. Klasse durchgängig in die Lehrpläne aufzunehmen. Die Zusammenarbeit zwischen Medienpädagogik und Schule sollte mindestens mittelfristig und kontinuierlich angelegt sein und schon vor dem Start der Angebote beginnen. Obwohl Lehrkräfte oftmals den Bedarf für medienpädagogische Angebote sehen, fehlt ihnen bzw. den Schulen oftmals das Geld, um externe Partner wie Vereine und Initiativen einzubinden bzw. deren Angebote zu nutzen.

Zielgruppe Eltern und MultiplikatorInnen
Als Zielgruppe sollten neben Kindern und Jugendlichen vor allem die Lehrkräfte, MultiplikatorInnen und Eltern vielmehr in den Blick genommen werden. Dafür gilt es zunächst, bestehende Angebote in der Lehrer- und Elternbildung für die Nachnutzung aufzubereiten und bekannter zu machen. Weiterhin braucht es mehr Möglichkeiten und Angebote (vor allem auf lokaler Ebene), die es erlauben, praktisch nachzuvollziehen, was Kinder und Jugendliche an der Medienwelt fasziniert und welche Potentiale dahinterstecken. Solche Angebote sind zudem im Kontext der Lebensweltorientierung zwingend notwendig. Es braucht darüber hinaus kontinuierlich Beratung für Lehrkräfte und MultiplikatorInnen hinsichtlich technischer Anschaffungen und ihrer Anwendung.

Vernetzung und Grundverständnis
Es bedarf unbedingt einer effektiven und professionellen Koordination der Medienpädagogik im Freistaat. Bislang basiert die landesweite Vernetzung auf einem freiwilligen Zusammenschluss. Um ein solches Netzwerk langfristig und nachhaltig zu etablieren, ist die Schaffung einer Personalstelle unabdingbar. Zusätzlich zur landesweiten Vernetzung müssen regionale Arbeitskreise etabliert werden. Bei der Etablierung solcher Arbeitskreise sollte man von bereits bestehenden Strukturen (z. B. in Leipzig) lernen. In der regionalen Vernetzung steckt die Chance, die Medienpädagogik im ländlichen Raum zu etablieren und zu qualifizieren. In Anbetracht der sehr differenzierten Angebotslage (v. a. bzgl. des Gefälles zwischen Stadt und Land) ist es zwingend notwendig, die Mobile Medienarbeit auszubauen und dabei die jahrelangen Erfahrungen bereits bestehender Projekte und Angebote nutzen.
Aktiver betrieben werden muss eine Lobbyarbeit für Medienpädagogik in Sachsen. Diese sollte vor allem das Verständnis für die Notwendigkeit einer breiten und nachhaltigen Medienkompetenzförderung einfordern und einer bloßen Reduktion auf Medienschutz entgegenwirken.

3. Was sind Ihrer Einschätzung nach die hauptsächlichen Faktoren, die bislang einer breitenwirksamen und nachhaltigen Medienkompetenzförderung entgegenstehen?

Kommunikation und Ressortdenken
Die Kommunikation zwischen Fachwelt (Vereine, Fachkräfte etc.) und Entscheidungsträgern (Verwaltung, Politik etc.) zum Thema Medienkompetenzförderung ist verbesserungsbedürftig. Ein Umdenken bzw. ein Denken über Zuständigkeiten und Ressorts hinaus ist zwingend notwendig. Die Medienkompetenzförderung muss politisch und strukturell in allen Bildungsbereichen verankert werden und Wertschätzung erfahren.
Entsprechend sollten alle Anstrengungen, die den kritischen Umgang mit neuen Medien fördern, durchgängig Unterstützung und Anerkennung erfahren.
Es gibt auf lokaler Ebene positive Beispiele, welche wegweisend sein sollten, um Medienpädagogik als Querschnittsaufgabe zu verankern und als Grundkompetenz anzuerkennen.

Förderung
Es fehlt seit langem an kontinuierlicher und vor allem umfassender Förderung (Personal, Technik) und Strukturen, die eine Medienkompetenzförderung für alle Zielgruppen unabhängig von Herkunft oder Bildung möglich macht. Auch hier lassen sich auf lokaler Ebene fortschrittliche Beispiele ausmachen, wie zum Beispiel die Verankerung von Medienkompetenzförderung in der Kinder- und Jugendförderung in Leipzig.

Dr. Jun-Prof. Sandra Fleischer, Juniorprofessur für Kindermedien
Dr. Jun-Prof. Sven Jöckel
, Professur für Medien- und Kommunikationswissenschaft

Universität Erfurt

https://www.uni-erfurt.de/kommunikationswissenschaft/personen/personenuebersicht/joeckel/


1. Was hat sich Ihrer Einschätzung nach im Bereich der Medienkompetenzförderung in Thüringen bislang bewährt und sollte fortgesetzt werden?

An der Universität Erfurt ist die Vermittlung von Wissen zum Medienhandeln von Kindern und Jugendlichen, insbesondere zur Bedeutung von Medien für den Prozess der Persönlichkeitsentwicklung sowie die Vermittlung von Methoden zur Medienkompetenzvermittlung Teil der Qualifikationsziele von mehreren Studiengängen. So in den BA-Studiengängen für zukünftige PädagogInnen „Pädagogik der Kindheit“, und „Erziehungswissenschaft“ sowie auch im Masterstudiengang Lehramt. Seit 2009 bietet die Universität Erfurt zudem den Masterstudiengang „Kinder- und Jugendmedien“ an, der Studierende mit erziehungswissenschaftlichem, kommunikationswissenschaftlichem, psychologisch- und soziologischem Hintergrund vereint. Die Studierenden können sich vertiefend mit medienpsychologisch- und medienpädagogisch-orientierter Kinder- und Jugendmedienforschung auseinandersetzen, mit Medienpädagogik in Theorie, Forschung und Praxis, mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wie bspw. dem gesetzlichen Jugendschutz und können auch praktische Erfahrungen in der Medienproduktion sammeln. Die Integration der oben genannten Qualifikationsziele in die Ausbildung zukünftiger ErzieherInnen, LehrerInnen, JugendarbeiterInnen halten wir für eine unbedingte Notwendigkeit. Mit dem Studiengang „Kinder- und Jugendmedien“ hat das Land Thüringen zudem die Bedeutung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit den Themen Medienforschung, Mediensozialisation, Medienpädagogik betont.

Große Anstrengungen und lobenswerte Angebote im medienpädagogischen Bereich bietet Thüringen auch auf der Ebene der medienpädagogischen Arbeit in der Praxis. Mehrere Institutionen bieten Projekte handlungsorientierter Medienpädagogik an: die Thüringer Landesmedienanstalt, der Landesfilmdienst Thüringen, der Erfurter Netcode aber auch mehrere Bürgerrundfunkanbieter und Arbeitsgemeinschaften. Dabei werden die Anstrengungen gegenseitig kommuniziert und abgestimmt, oftmals werden Fachtage und größere Veranstaltungen gemeinsam organisiert bspw. Angebote im Rahmen des Medienfestivals „Goldener Spatz“ oder der „KinderKult“-Messe. Hierbei gelingt – unter anderem auch aufgrund der räumlichen Nähe zueinander – Kooperation, in die auch die Universität eingebunden ist. Seit 2008 gibt es auch ein Medienkompetenznetzwerk, welches in Arbeitsgruppen medienpädagogisch Engagierte zusammenführt. Die Realisierung von regelmäßigen Treffen der Arbeitsgruppen ist jedoch stets eine organisatorische Herausforderung. In den ersten beiden Jahren hat das Netzwerk jedoch neue Kontakte geschaffen und eine inhaltliche Abstimmung erleichtert.

2. Was sind aus Ihrer Sicht die vordinglichen Aufgaben und Maßnahmen, um Medienkompetenzförderung in Thüringen breitenwirksam und nachhaltig in allen Bildungsbereichen zu verankern?

Wichtig ist zum Einen die Fortführung der Integration von Medienpädagogik in die Hochschulausbildung zukünftiger PädagogInnen, ErzieherInnen, MedienforscherInnen und MedienproduzentInnen. Zum Anderen bedarf es der finanziellen Unterstützung von Forschung zu Fragen der Mediensozialisation und Entwicklung von Medienkompetenz im Zusammenspiel von kognitiver und sozial-moralischer Entwicklung. Langfristige finanzielle Unterstützung ist zudem für die medienpädagogische Praxisarbeit erforderlich, dass Angebote regelmäßig angeboten werden können und damit verlässlich von Bildungseinrichtungen und Familien genutzt werden könnten. Auf Landesebene sollten zudem neue, langfristige Arbeitsplätze für MedienpädagogInnen geschaffen werden, die in Kindergärten und Schulen aktiv werden können.

3. Was sind Ihrer Einschätzung nach die hauptsächlichen Faktoren, die bislang einer breitenwirksamen und nachhaltigen Medienkompetenzförderung entgegenstehen?

Mit bundesweiter Perspektive ist festzustellen, dass es einer verstärkten Eltern- und PädagogInnenbildung bedarf.

2018-02-27T17:36:06+00:00