Nordrhein-Westfalen

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Statements

Dr. Jürgen Brautmeier
Landesanstalt für Medien NRW (LfM)
Direktor

www.lfm-nrw.de


1. Was hat sich Ihrer Einschätzung nach im Bereich der Medienkompetenzförderung in Nordrhein-Westfalen bislang bewährt und sollte fortgesetzt werden?

In NRW gibt es eine erstaunliche Vielzahl an medienpädagogischen Maßnahmen von Akteuren und Institutionen, die auf landesweiter, regionaler oder lokaler Ebene Angebote zur Förderung von Medienkompetenz initiieren und/oder durchführen.

Hierzu gehören Kommunen, Wohlfahrtsverbände, Volkshochschulen, Bildungsträger, Kirchen, Unternehmen, Vereine etc. Angesichts dieser Vielfalt ist die Vernetzung dieser Institutionen bzw. die Koordination ihrer Aktivitäten von großer Bedeutung. Auf diese Weise können Wissen und Erfahrungen ausgetauscht, Synergien erschlossen, Parallelaktivitäten vermieden und bedarfsgerechte Angebote entwickelt werden. Nur durch Vernetzung und Koordination ist zu gewährleisten, dass die vorhandenen Ressourcen – Kenntnisse, Kompetenzen und Kapital – in Nordrhein-Westfalen so sinnvoll und effektiv wie möglich verwendet werden.

Die Vernetzung ist als ein fortlaufender Prozess zu begreifen. Die bisherigen gemeinsamen Aktivitäten haben dazu beitragen können, Synergien zu identifizieren und in aktive Fördermaßnahmen umzusetzen.

2. + 3. Was sind aus Ihrer Sicht die vordinglichen Aufgaben und Maßnahmen, um Medienkompetenzförderung in Nordrhein-Westfalen breitenwirksam und nachhaltig in allen Bildungsbereichen zu verankern? Was sind Ihrer Einschätzung nach die hauptsächlichen Faktoren, die bislang einer breitenwirksamen und nachhaltigen Medienkompetenzförderung entgegenstehen?

Medienkompetenz ist als vierte Kulturtechnik zu betrachten. Wer sie nicht beherrscht, kann an der Informations- und Wissensgesellschaft nur eingeschränkt teilhaben. Deshalb kommt der Vermittlung von Medienkompetenz gerade im schulischen Umfeld eine zentrale Bedeutung zu. Dabei muss die Vermittlung der Medienkompetenz nicht unbedingt in einem gesonderten Medienfach geschehen. Vielmehr kann die Vermittlung auch als Querschnittsaufgabe über alle Fächer hinweg erfolgen. Von hervorgehobener Bedeutung ist es jedoch, altersbezogene Bildungsstandards für Medienkompetenz zu entwickeln und entsprechend hierzu die Aufgabe der Förderung von Medienkompetenz verbindlich in die Curricula zu integrieren. Als Grundlage für die Medienkompetenzförderung in der Schule entwickelt die LfM gegenwärtig einen Referenzrahmen, der Kompetenzen differenziert nach Alters- und Zielgruppe definiert.

Die LfM sieht zudem einen dringenden Bedarf, Medienkompetenz in der pädagogischen Aus- und Fortbildung stärker zu verankern. Dies ist durch die Studie „Förderung von Medien-kompetenz im Kindergarten“ (2007) und die Studie „Medienkompetenz in der Schule“ (2010) deutlich zu belegen. Die Ergebnisse der Studien machen deutlich, dass eine Qualifizierung der Lehrkräfte für den didaktischen Einsatz digitaler Medien bisher noch zu gering ausgeprägt ist. Eine Integration von Medien in den Fachunterricht mit pädagogisch-didaktischer Schwerpunktsetzung liegt oftmals im Ermessen der einzelnen Lehrkraft. Auch an den Studienseminaren und Universitäten hat sich erst in den letzten fünf Jahren eine Verschiebung in Richtung eines systematischen didaktischen Einsatzes digitaler Medien im Fachunterricht ergeben. Eine Integration digitaler Medien in den Studienordnungen an Universitäten mit Lehr-amtsausbildung in NRW findet zwar statt, jedoch ist diese unterschiedlich ausprägt und variiert von Nichtthematisierung bis hin zu starker Einbeziehung. Medienkompetenz ist nicht systematisch verankert und damit stark von den jeweiligen Hochschul-Lehrenden und Studierenden abhängig.

Die LfM-Studie zur Förderung von Medienkompetenz im Kindergarten dokumentiert, dass Medienpädagogik in Kindergärten allenfalls eine Randerscheinung ist. Die Studie macht am Beispiel von NRW deutlich, dass Aus- und Fortbildung von ErzieherInnen in Bezug auf die Förderung von Medienkompetenz optimiert werden muss. Wichtigste Voraussetzungen dafür sind in eine entsprechende Sensibilisierung von Einrichtungsträgern und PädagogInnen, vor allem aber eine Verankerung von Medienpädagogik in den Lehrplänen der ErzieherInnen-Ausbildung und eine verstärkte Weiterbildung von ErzieherInnen für die Vermittlung von Medienkompetenz.

Gerda Sieben
jfc Medienzentrum in Köln
Leiterin

www.jfc.info


1. Was hat sich Ihrer Einschätzung nach im Bereich der Medienkompetenzförderung in Nordrhein-Westfalen bislang bewährt und sollte fortgesetzt werden?

  • Die Verankerung der Kinder- und Jugendmedienarbeit als Position im Kinder- und Jugendförderplan NRW.
  • Die vielfältige und dezentrale Struktur der Anbieter kultureller Medienbildung, innovative freie Träger.
  • Landesweite Dachangebote und Projekte, die kommunale und regionale Strukturen unterstützen und aktivieren: z.B. Netzwerke und Plattformen, Festivals, Präsentationen und Weiterbildung.
  • Kooperationsstrukturen der med. päd. Fachstellen mit Trägern der Kinder- und Jugendhilfe.
  • Methodisch haben sich bewährt:
    1. Kompaktangebote, die eine gesamte Produktionsphase umschließen und ein konkretes Ergebnis ermöglichen. Diese können mit den unterschiedlichsten Partnern und Settings geplant werden: Schulprojektwochen, Ferienangebote, Sommerakademien, Kritikergipfel...
    2. Kontinuierlich arbeitende Gruppen, z.B. Redaktionen, Produktionsgruppen,
    3. Projekte, die über Plattformen und Web2.0 Funktionen vernetzt sind und dadurch dezentral durchgeführt werden können
    4. Beratungsangebote.

2. Was sind aus Ihrer Sicht die vordinglichen Aufgaben und Maßnahmen, um Medienkompetenzförderung in Nordrhein-Westfalen breitenwirksam und nachhaltig in allen Bildungsbereichen zu verankern?

  • Schaffung von mehr und passfähigeren Instrumenten (Angebotsformate, Strukturen und Finanzierungsmodelle) für die Umsetzung konkreter Formen der Medienarbeit sowohl als Querschnittsthemen als auch als exklusive Projekte in den Strukturen von Kita, Vorschulbereich, Jugendförderung und Schule, z.B. durch Netzwerke, Weiterbildung und Coaching.
  • Medienarbeit muss politischer werden: Nicht nur konsequentere Nutzung von Web 2.0 Möglichkeiten in der Medienarbeit, sondern auch die intensivere Auseinandersetzung mit den Machtstrukturen hinter und in den Netzen ist notwendig.
  • Ausbau der Fachstellen für aktive Medienarbeit.
  • Einbettung von medienpädagogischer Fortbildung in Kooperationsstrukturen, da sonst die vorhandene Qualifizierung oft „verpufft“.
  • Sicherstellen, dass Jugendliche aller Kulturen und sozialen Zugehörigkeiten, sowie Jugendliche mit Handicaps teilnehmen können; dazu sinnvoll: Stärkung der Kooperationsbeziehungen zwischen Anbietern der Medienbildung und den entsprechenden Strukturen; sicherstellen, dass sich auch arme Kinder und Jugendliche die Teilnahme an Angeboten der Medienkompetenzförderung leisten können.
  • Verbesserung der Medienkompetenz in der Ausbildung/ Erzieherausbildung/ Studiengängen.
  • Bessere Anerkennung und Einbindung der innovativen Entwicklungen der Praxis, (ihrer Erfahrungen zu den Kompetenzen und Bedürfnissen der Jugendlichen zu neuen Methoden etc. ) mit Forschung und Hochschulausbildung. Einbeziehung von Praxis in die Entwicklung von Forschungsdesign.

3. Was sind Ihrer Einschätzung nach die hauptsächlichen Faktoren, die bislang einer breitenwirksamen und nachhaltigen Medienkompetenzförderung entgegenstehen?

  • Probleme finanzieller, personeller und struktureller Art, Settings zu schaffen, in denen das komplexe Lernen von Medienkompetenz möglich wird. In den „Normalsettings“ von Jugendarbeit kann die notwendige Intensität und Verbindlichkeit aufgrund der zeitlichen Auslastung der Jugendlichen immer schwerer hergestellt werden und in den „Normalsettings“ von Schule sprengen vor allem Prozesse der kreativen Mediengestaltung häufig den Rahmen.
  • Immer noch bestehende große Unsicherheit der Pädagog/innen bei der Nutzung von Medien in Bildungsprozessen.
  • Fehlende Sensibilität aller Bereiche der Jugendarbeit und Schule für die Tatsache, dass Medien einerseits ein Querschnittsthema sind und z. B. auch für den Sport, die Umwelterziehung, die Jugendsozialarbeit oder die kulturelle Bildung relevant und bereichernd sein können und andererseits die Tatsache, dass Medien eigene Inhalte, Arbeitsweisen und Kunstformen generieren, die aufgrund ihrer Aktualität Gegenstand von Bildung sein müssen.
  • Medienarbeit wird oft als zu technikfixiert und zu problemfixiert diskutiert und verschenkt so immer noch große Teile ihres journalistischen und künstlerischen Potenzials.
2018-02-27T17:35:39+00:00