In der Ergebnisbroschüre zum Medienpädagogischen Kongress 2011 wurden auf den Seiten 14 und 15 die Vorschläge und Forderungen zu einer medienpädagogischen Grundbildung im Rahmen des Kapitels 4 (Qualifizierung von Fachkräften) zusammenfassend dargestellt:

Zentrale Bedingung für eine effektive Unterstützung der Prozesse der Medienbildung ist eine medienpädagogische Qualifizierung aller pädagogischen Fachkräfte. Nach den vorliegenden Expertisen gibt es in diesem Bereich gravierende Mängel. Eine medienpädagogische Grundbildung hat die Aufgabe, Erzieher/innen, Lehrer/innen, Erwachsenenbildner/innen, Sozialpädagogen/innen und andere pädagogische Fachkräfte bereits während der Ausbildung an den Hochschulen zu qualifizieren. Dazu gehören folgende Kompetenzbereiche:

  • Erwerb der Fähigkeit, medienpädagogische Aufgaben und Themen mit dem jeweiligen Fachstudium und den beruflichen Erfordernissen zu verknüpfen und zu einem integralen Bestandteil des Professionswissens zu machen.
  • Reflexive Auseinandersetzung mit den eigenen Medienerfahrungen und den Medien-welten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen; Auseinandersetzung mit Nutzungs-praxen, die bei Kindern und Jugendlichen populär sind, z.B. Computerspiele oder Social Web.
  • Erkennen der Medialität von Bildungs- und Lernprozessen, um mediale Lernkulturen und Lernräume im Sinne einer handlungs- und gestaltungsorientierten Medienarbeit und einer partizipativ-kreativen Netzkultur fördern zu können (inkl. digitale Spiele, mobile learning).
  • Sensibilisierung und Qualifizierung für zielgruppenspezifische Ansätze der Medienbildung und des eigenen Rollenverständnisses als Pädagoge/in.
  • Aneignen von Kompetenzen zur Unterstützung kreativer Medienproduktionen, um Medien für Selbstausdruck, Kommunikation, Lernen und die Artikulation kultureller und sozialer Bedürfnisse und politischer Vorstellungen aktiv nutzen zu können (Hörerziehung und Filmbildung gehören auch im Zeitalter von digitalen Medien und Internet zu dieser Aufgabe).
  • Aneignung von Informationskompetenz, was insbesondere die Auswahl und kritische Bewertung von Informationen betrifft, aber auch die Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu selbstbewussten Mediennutzern umfasst.
  • Basiswissen zum Kinder- und Jugendmedienschutz, zu urheberrechtlichen Fragen und zur Auseinandersetzung mit Medienangeboten unter medienethischer Perspektive.
  • Hintergrundwissen zur Machart von Medienproduktionen und Bewusstseinsbildung zu den wirtschaftlichen Verwertungsinteressen bei Medienanbietern.

Eine Grundbildung trägt entscheidend dazu bei, dass Pädagogen/innen im späteren Berufsfeld medienpädagogische Fragen situationsangemessen integrieren können. Sie muss jedoch durch kontinuierliche Fort- und Weiterbildungsangebote ergänzt werden, um auf dem Hinter-grund der dynamischen Medienentwicklung die eigenen Medienkompetenzen zu erweitern, sich kritisch-reflexiv zu positionieren und mit anderen Kollegen/innen über die berufliche Praxis auszutauschen und neue Ansätze im medienpädagogischen Bereich kennen zu lernen und auszuprobieren. Die Förderung von peer-to-peer-Ansätzen (Schüler/innen als Medienscouts etc.) bietet dafür weitere Möglichkeiten. Darüber hinaus bedarf es der Qualifizierung medienpädagogischer Fachkräfte in speziellen Studiengängen (vor allem für Leitungspositionen und den wissenschaftlichen Nachwuchs).

Zentrale Forderungen und Umsetzung

  • In allen pädagogischen Studiengängen und Ausbildungsbereichen ist eine medienpädagogische Grundbildung als verbindlicher und prüfungsrelevanter Bestandteil der pädagogischen Ausbildung in Form eines Moduls zu verankern.

→  Formulierung von akkreditierungsrelevanten Standards durch die akademischen Fachgesellschaften, die Hochschulrektorenkonferenz und die Kultusministerkonferenz.

→  Überarbeitung und Erweiterung der KMK-Standards von 2004 zur Lehrerbildung und Berücksichtigung bei der Novellierung der jeweiligen Studien- und Prüfungsordnungen.

→  Durchführung einer Bund-Länder-Studie zur Verankerung von medienpädagogischen Inhaltsbereichen in pädagogischen Studiengängen.

  • Spezielle medienpädagogische Studienangebote in Form von Master-Studiengängen und Wahlpflichtbereichen in anderen Studiengängen sind auszubauen, um den wachsenden Fachkräftebedarf abzudecken.

→  Bundesweite Bestandsaufnahme des vorhandenen medienpädagogischen Studienangebots (Medienpädagogik als Schwerpunktangebot).

→ Bedarfsermittlung für noch auszubauende medienpädagogische Bereiche / Studiengänge.

  • Verstärkte Einrichtung medienpädagogischer Professuren und Mitarbeiterstellen mit entsprechender Infrastruktur an den Hochschulen.

→  Thematisierung der Situation auf der Hochschulrektorenkonferenz und den Landesrektorenkonferenzen.

→  Spezielle Programme zur Anschubfinanzierung neuer Stellen (z.B. Sonderprogramm Juniorprofessuren für den Bereich Medienpädagogik) auf Bundes- und Länderebene.

→  Sensibilisierung von akademischen Fachgesellschaften und Hochschulgremien für die Relevanz des Bereichs.

  • Medienpädagogik ist fest in der Fort- und Weiterbildung in allen Bildungsbereichen zu verankern und durch kontinuierliche fachbezogene und fachübergreifende Fortbildungs- und Beratungsangebote sicherzustellen, z.B. in Form von Medienkompetenzportfolios, Zertifikaten und Zielvereinbarungen. Hierzu gehören auch die berufsbegleitende Qualifizierung von Multiplikatoren/innen, die bereits mit Kindern, Jugendlichen und Familien arbeiten und der Bereich der hochschuldidaktischen Fortbildung. Peer-to-peer-Ansätze sind auch im Bereich der Fort- und Weiterbildung zu fördern.

→  Institutionen der Fort- und Weiterbildung und Fachverbände sind mit entsprechenden Mitteln auszustatten, um kontinuierlich qualifizierte Angebote machen zu können.